Wie viele Masken trägt der Mensch?

Es war mir nicht bewusst, dass ich Masken trage, bis meine Energie schwand.

Wie viele Masken trägt der Mensch?
blau-schwarze Maske auf rot-orangen Grund

Ein Kleid, eine Perücke und eine Maske und schon siehst du wie eine andere Person aus. Das ist ganz einfach, verkleiden. Doch was ist, wenn es zum Alltag wird. Du stehst auf und ziehst deine Kleidung wie eine Uniform an, ein Schild, eine Maske. Damit keiner sehen kann, wie es in deinem Inneren aussieht.

Warum wir das tun?
Weil wir es so gelernt haben. Also ich habe es so gelernt, durch Erwachsene, die ich als Kind beobachtet habe. Wie verhalten sie sich in der Öffentlichkeit, wie in kleinen Gruppen, in der Familie unter Freunden. Und so wie jedes Kind durch Beobachtung lernt, habe auch ich gelernt. Manchmal braucht es eine Maske. Ich bin traurig oder frustriert oder sonst eine Emotion, die ich nicht erklären kann oder die in einer Situation, in der ich bin, nicht angebracht ist, also zu Irritationen führen würde. Also drücke ich sie weg, setze ein Lächeln auf und mache weiter.
Ich bin damit nicht alleine, viele Menschen machen es so. Ich würde sogar behaupten wir alle machen es so. Wenn jemand anderes ist und seine Emotionen nicht weg drückt, also genauso authentisch ist wie viele es immer einfordern, dann wird genau diese echte Person verstoßen.

Warum verstoßen wir die echten Personen?
Weil sie uns irritieren, uns verunsichern, mich ängstigen. Ich bin nicht stolz darauf und möchte es auch gerne anders machen, mich anders verhalten. Doch das funktioniert leider sehr selten. Das Gelernte ist tief verwurzelt und ich brauche eine Alternative, wie ich mich verhalten kann. Etwas, das mir Sicherheit gibt, damit ich meine Masken ablegen kann, damit ich selber dahinter schauen kann, um zu sehen, wer ich im Inneren bin.

Es gab bereits Momente in meinem Leben, dort hatte ich den Raum und die Zeit, um hinter meine Masken zuschauen, habe gesehen, was ich beschützen will. Sobald ich das wusste, konnte ich anfangen, mir alternative Verhaltensweisen zu suchen, und dann kam der Schritt diese neuen Verhaltensweisen auch an zuwenden und glaubt mir, das ist und war bisher der schwerste Schritt. Es braucht positive Bestärkung, das ein neues Verhalten angenommen werden kann, sonst funktioniert es nicht die alten Konditionierungen zu überschreiben.

Warum mache ich das überhaupt?
Ich könnte ja auch bei dem Gelernten bleiben. Ich mache es, weil meine Masken mir zu schwer geworden waren. Ja, sie sind eine Art Schutz, aber es kostet Energie, sie aufrecht zu erhalten, und es gab Momente in meinem Leben, da hatte ich keine Kraft mehr dafür, weil es so viele andere Dinge zu tun gab. Also fielen die Masken und dahinter kam der ungeschützte Kern zum Vorschein. Eine absolut beängstigende Situation. Ich habe damals auf Krampf versucht, alle Masken wieder aufzusetzen, doch es war keine Kraft dafür da. Und so musste ich mich entscheiden zwischen Leben oder Masken tragen ohne Leben.
Ich habe mich natürlich fürs Leben entschieden und einen Teil meiner Masken liegen lassen, nicht alle aber einen Teil. Und das war und ist keine leichte Entscheidung und auch nichts, was jede von uns mal eben an einem Wochenende macht. Das ist eine der Entscheidungen, die das eigene Leben völlig auf den Kopf stellt, bevor es wieder auf die Füße geht.

Davor war es mir nicht bewusst, dass ich Masken trage, ich habe es nicht bemerkt, wie meine Energie schwand. All die unausgesprochenen Regeln und vielleicht noch die Erwartungen aller. Dann die eigenen Wünsche und Ziele, das ist viel Druck.
Hier ein Beispiel: Ich bin lieb, nett, schüchtern und zurückhaltend.
Das habe ich sehr oft gesagt, bis ich es selber geglaubt habe. Doch es ist eine Lüge. Ich bin nicht lieb. Ich mag Harmonie und das Menschen mich mögen. Doch ganz ehrlich ich mag nicht einmal jeden Menschen, also warum sollten sie mich mögen. Das ist die totale Energieverschwendung, zu versuchen das jeder einen mag. Also nein, ich bin nicht bereit, das zu zahlen, also bin ich auch nicht lieb. Ich kann nett sein, aber nicht zu jedem. Die meisten Menschen, denen ich begegne, gebe ich einen gewissen Vorschuss, doch wenn sie es nicht erwidern, dann lass ich sie und sie sind mir dann egal. Das klingt hart, so wie ich es schreibe. Aber es geht um meine Energie.

Für diese Erkenntnis habe ich Jahre gebraucht. Ich konnte das nicht immer so sagen und auch heute, überfällt mich der Gedanke gelegentlich. Warum?
Ich bin dazu in meiner Geschichte und in der Geschichte meiner Familie zurückgegangen. Und was soll ich sagen, es gab Menschen in der Familie, die sind gegen den Strom geschwommen und haben dafür mit ihrem Leben bezahlt, also nicht das sie gestorben sind deswegen, aber ihr Leben war dadurch nicht einfach. Das hatte auch auf ihr Umfeld Einfluss. Ich denke, diese Erfahrungen habe ich zu meinen eigenen gemacht und mich erst gar nicht getraut, sondern direkt angepasst.
Bis es nicht mehr passte.

Versucht es auch, lasst die Masken weg und nutzt die Energie für eure Herzensthemen. Fangt klein an, bei Personen, denen ihr vertraut und die zu euch halten, wenn ihr euch im Verhalten ändert. Kleine Schritte führen zum Ziel.